Ein kultureller Abend vor der…
Ein kultureller Abend vor der Stadthalle – mit unerwartetem Rahmenprogramm
Guten Tag,
eigentlich wollte ich nur ganz unspektakulär durch Speyer fahren. Stattdessen durfte ich heute eine eher ungewöhnliche Form der Abendunterhaltung erleben – organisiert von der örtlichen Polizei direkt vor der Stadthalle.
Ich wurde angehalten und gebeten, unmittelbar vor dem Eingang einen Drogentest zu absolvieren. Nun fand dort zu diesem Zeitpunkt gerade eine Veranstaltung statt, wodurch sich eine durchaus stattliche Anzahl an Menschen vor Ort befand. Man könnte also sagen: Für ein interessiertes Publikum war gesorgt. Weniger ideal war allerdings, dass ich kurz zuvor – völlig unbedacht – noch die Toilette aufgesucht hatte. Die spontane Bereitstellung einer Urinprobe vor öffentlicher Kulisse gestaltete sich daher eher schwierig.
Während ich also versuchte, unter den Blicken der vorbeiströmenden Gäste eine physiologisch eher sensible Aufgabe zu erfüllen, wurde ich von einem der Beamten fortlaufend verbal unterstützt – allerdings weniger im Sinne von Geduld oder Professionalität, sondern eher mit der wiederholten Aufforderung, doch einfach zuzugeben, wann und welche Drogen ich denn genommen hätte. „Das käme ja sowieso alles raus.“ Eine bemerkenswert zielgerichtete Gesprächsstrategie, wenn das Ergebnis offenbar schon vorher feststeht. Seine Kollegin verhielt sich dagegen deutlich ruhiger und professioneller.
Ein weiterer Kollege zeigte großes Interesse an meiner fahrerischen Ausbildung und fragte mehrfach, wann ich denn meinen Führerschein gemacht hätte. Offenbar war ich seiner Ansicht nach „zu schnell um die Kurve gefahren“. Tatsächlich lag meine Geschwindigkeit deutlich unter der zulässigen Begrenzung. Weder quietschende Reifen noch irgendein Anzeichen von Kontrollverlust oder Gefährdung waren vorhanden – aber man muss ja schließlich Gründe finden, wenn man schon einmal angefangen hat.
Da sich die Probe vor Ort nicht spontan materialisieren ließ, wurde beschlossen, dass ich zur Wache mitkommen müsse. Mein Auto wurde daraufhin vorsorglich von den Beamten zur Seite geschoben, da ich ja möglicherweise nicht fahrtüchtig sei – eine Einschätzung, die im weiteren Verlauf des Abends noch eine gewisse Ironie entwickeln sollte.
Die anschließende Fahrt zur Wache erfolgte mit drei Beamten im Fahrzeug. Platz war ungefähr so großzügig vorhanden wie in der Economy-Class eines besonders ambitionierten Billigfliegers, musikalische Unterhaltung gab es leider ebenfalls keine. Insgesamt also eine eher nüchterne Fahrt.
Auf dem Revier angekommen konnte ich den Test schließlich problemlos durchführen. Ergebnis: negativ.
Damit war das zuvor sehr engagiert geführte Ermittlungsnarrativ dann doch überraschend schnell beendet.
Auf meine Nachfrage, ob ich anschließend wieder zu meinem Fahrzeug gebracht werden könne – immerhin befand ich mich nur aufgrund dieser Maßnahme überhaupt dort – erhielt ich die sachliche Erklärung, man sei schließlich „kein Taxi“. Ein bemerkenswert klar formulierter Servicegedanke.
So durfte ich nach der vollkommen ergebnislosen Kontrolle noch einen abendlichen Spaziergang quer durch Speyer unternehmen, um zu meinem Auto zurückzukehren.
Fazit:
Viel Aufwand, viel Unterstellung, viel Zeit – und am Ende ein negativer Test sowie ein ungeplanter Nachtspaziergang. Man kann nur hoffen, dass zwischen solchen Einsätzen noch ausreichend Kapazitäten für tatsächliche Gefahren im Straßenverkehr bleiben.
Immerhin hat der Abend gezeigt: Wenn in Speyer vor der Stadthalle einmal kein Programm stattfindet, springt im Zweifel die Polizei ein.
Mit freundlichen Grüßen
March 6, 2026
Unprompted review