Gerstner im Palais Todesco – Wenn die Kulisse glänzt, aber der Service aus dem Rahmen fällt
Gerstner im Palais Todesco: Wenn die Kulisse glänzt und der Service Pause macht
Gerstner ist in Wien mehr als ein Name, er ist ein Versprechen. Das Palais Todesco liefert die perfekte Bühne. Nur bei Besetzung und Regie ist noch Luft nach oben.
Reserviert ist nicht immer reserviert
Zum Geburtstag hatten wir schriftlich einen Esstisch zum Abendessen reserviert. Eingedeckt war zunächst eher für einen Kaffee. Kellner Souad ließ uns spüren, dass wir Bittsteller waren und keine Gäste. Wiener Grant ist eine Kunstform, Unfreundlichkeit allein noch keine Qualifikation. Kollege Jens fragte nach unserer Reklamation tatsächlich, ob der Tisch wirklich eingedeckt werden solle. Wir waren zum Essen gekommen, hatten einen Esstisch reserviert und wollten sogar bestellen. Die Indizien waren durchaus vorhanden. Gegen 20 Uhr wurden die ersten Tische weggeräumt, und der Kellner zog pfeifend vorbei. Inszenierung oder dezenter Hinweis auf den Feierabend? Die Touristengruppe war da jedenfalls schon weg.
Küche und Wein
Die Küche kann es, wenn sie will. Die Erdäpfel hatten sich noch nicht für den gegarten Zustand entschieden, die Flusskrebse hielten ihren Geschmack diskret zurück, und der Zwiebelrostbraten wollte als Surbraten Karriere machen. Der Kaiserschmarrn mundete, hätte aber einen kaiserlicheren Auftritt verdient. Die Weinkarte war für ein Haus dieses Namens erstaunlich bescheiden bei österreichischen Spitzenweinen und Sekten, und alles Interessante gab es nur flaschenweise.
Dessert und Adriano
Beim Süßen ist die Welt in Ordnung: Gerstner ist eben doch Gerstner. Gerettet hat den Abend Adriano, aufmerksam, charmant und lösungsorientiert. Er sorgte für einen Tischwechsel und verkaufte uns sogar noch Zusatzbestellungen. Sein Trinkgeld verdiente er redlich, und das seiner Kollegen gleich mit.
Preis-Leistung
Rund 230 Euro für einen besonderen Anlass sind nicht unangemessen, wecken aber Erwartungen. Wer Wien kennt, schaut nicht nur auf Kronleuchter und Stuck, sondern auch darauf, was darunter geschieht.
Liebes Gerstner-Management: Tradition ist kein Selbstläufer!
Tradition kann man übernehmen, Stil muss man leben. Gastfreundschaft lässt sich weder durch Stuck noch durch Samtvorhänge ersetzen, und eine Reklamation ist eine Chance und keine Zumutung.
Wir kennen Gerstner seit Jahrzehnten und kämen gerne wieder, mit etwas höheren Erwartungen an den Service als an die nächste Teppichreinigung.








